Predigt am Pfingstsonntag (2020)

Pfingstpredigt von Pastor J.-Ekkehard Wulf

Liebe pfingstliche Gemeinde, manchmal müssen wir auch als Christinnen und Christen geduldig warten, um dann ganz neu, von vorne anzufangen.
Über die ersten Jünger heißt es in der biblischen Pfingstgeschichte, dass sie an einem Ort beisammen waren. Sie mussten nach dessen Himmelfahrt nun endgültig ohne ihren Herrn und Meister auskommen. Jesus Christus, der zu Ostern Auferstandene, mit dem sie noch einmal eine kurze Zeit zusammen sein durften, hatte sie nun endgültig verlassen. Und so warteten sie auf das Kommen des Heiligen Geistes, und sie wurden zu Pfingsten in ihrer Hoffnung nicht enttäuscht. Und hätte es das damalige Pfingstwunder nicht gegeben, so hätte sich aus der ersten christlichen Gemeinde zu Jerusalem keine weltweite Bewegung von Christinnen und Christen über die letzten beiden Jahrtausende entwickelt, bis hierher zu uns.
Es ist schön, dass diese Auferstehungskirche ausgerechnet am Pfingstsonntag 1995, also vor 25 Jahren vom damaligen Lübecker Bischof Karl-Ludwig Kohlwage geweiht wurde. „Die Kirche, die eigentlich nicht gebaut werden sollte“, so hieß es seinerzeit in einem ganzseitigen Artikel in der „Nordelbischen Kirchenzeitung“ vom damaligen Wahlstedter Pastor Karl-Heinrich Melzer.

Etliche hegten seinerzeit Zweifel und sie stellten offen die Frage, ob es überhaupt noch nötig und damit richtig sei, diese Kirche zu bauen, zumal es doch in der Kirchengemeinde vor Ort bereits zwei Kirchen in Nahe und Oering gab. Die Kritiker von damals sind schnell verstummt und sie oder andere haben sich diesbezüglich, so können wir das heute überaus dankbar feststellen, auch nie wieder zur Wort gemeldet. Mit der Hilfe und unter dem Segen Gottes ist es uns als christliche Gemeinde vor Ort gelungen, diese Kirche mit viel Leben zu füllen. Es herrschte und regiert hier ein guter Geist, der spürbar ist, und immer wieder auch von denen ausdrücklich betont wird, die unsere Gäste waren und sind, Pilgerinnen und Pilger, Menschen, die zu den verschiedensten Familienanlässen und Gottes-diensten in diese Kirche gekommen sind, oder auch zu diversen Konzerten oder den unterschiedlichsten Theaterauf-führungen. Ja, diese Kirche hat schon viele Menschen begeistert, sie waren und sind angetan von diesem modernen Gotteshaus, auch durch die besonderen, von Herrn Fossemer gestalteten Fenster, und/oder die Atmosphäre, den Klang der Musik und anderes mehr.
Viele Menschen sind froh und dankbar, dass es diese Kirche gibt. Und normalerweise hätten nun viel mehr dabei sein wollen und sollen bei diesem Gottesdienst und bei einem anschließenden Gemeindefest, für welches es so viele schöne Ideen gab.

Vor „Corona“ habe ich im Gemeindebrief noch geschrieben, dass zur Weihe am Pfingstsonntag 1995 rund vierhundert Menschen drinnen und draußen dabei waren, und dass sich diese Zahl sicher am Pfingstsonntag 2020 noch locker steigern ließe.
Ich habe mich leider geirrt: Heute können wir „nur“ zwei kleine Gottesdienste feiern und das geplante Fest musste komplett abgesagt werden. Wir werden sehen und abwarten müssen, ob oder in welcher Form es wenigstens zu einem späteren Zeitpunkt gefeiert werden kann. Das neue Banner neben dem Kircheneingang soll und wird uns im Laufe der nächsten Monate zumindest immer wieder an dieses 25jährige Jubiläum erinnern.
Wir sollen und müssen in dieser für die ganze Welt besonderen Zeit geduldig sein und wohl auch noch länger bleiben, so, wenngleich der Vergleich natürlich hinkt, wie die ersten Jünger zu Jerusalem.

Wir werden dann über kurz oder lang – gefühlt – wieder bei null anfangen, so wie ja übrigens auch vor 25 Jahren.
Wir hoffen und vertrauen darauf, dass Gottes guter, heiliger Geist auch uns neu für unsere Aktivitäten geschenkt wird, dass nach „Corona“ der Heilige Geist wie einst die erste Jüngerschar in Jerusalem auch uns neu oder wieder kraftvoll bewegt und antreibt, und dass wir wie die ersten Jüngerinnen und Jünger begeistert, sprich Feuer und Flamme, für die Sache Jesu sind und bleiben.
In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir auf sehr unterschiedliche, phantasievolle und zum Teil auch neue Art und Weise Kontakt zu unseren Gemeindegliedern gehalten und vielleicht haben wir damit sogar mehr oder andere Menschen als auf herkömmliche Art und Weise erreicht. Und trotzdem liegt zur Zeit immer noch vieles brach, und wir wissen nicht, wie lange dieses noch der Fall sein wird und muss.

Wir scharren mit den Füßen und würden so gerne wieder loslegen in unserer vielfältigen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wir vermissen den lebendigen Austausch mit anderen in unseren Gruppen und Kreisen, das gemeinsame Singen und Musizieren und Theaterspielen. Vieles tat und tut uns weh in dieser für die ganze Welt schweren Zeit, die viele Mitmenschen das Leben gekostet hat und weiterhin kostet, und die für unzählige Menschen den finanziellen Ruin oder zumindest große wirtschaftliche Sorgen mit sich gebracht hat, und andere an die seelischen und körperlichen Grenzen der Belastbarkeit gebracht hat. Dennoch, so lautet die biblische Botschaft zum Pfingstfest, sollen und müssen wir nicht aufgeben, weder persönlich noch als Christinnen und Christen und ebenso nicht als Weltgemeinschaft, denn „Gott hat uns zu Pfingsten nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Der Name dieses Hauses Gottes, „Auferstehungskirche“, zeigt es für alle Zeiten an: Wir sollen und werden mit Jesus Christus auferstehen, jetzt und noch einmal später. Das ist und bleibt seit dem ersten Osterfest Gottes großes Geschenk an uns, an dass wir uns heute dankbar erinnern, zu Pfingsten, dem Geburtstag der weltweiten, großen Kirche und eben auch dieser kleinen Kirche vor Ort.

Und die Saat, die wir neben anderen, zu Pfingsten und zu dieser Kirche passenden Hoffnungssymbolen, für alle Gottesdienst-besucher*innen am Ausgang als kleines Geschenk und zur Erinnerung an dieses Pfingstfest zum Mitnehmen bereithalten, soll und wird aufgehen! Lasst uns alleine und gemeinsam darauf vertrauen und bauen, damit es ein frohes und gesegnetes Pfingstfest wird und bleibt, für Menschen in Nahe, in der Nähe und auch in der Ferne.
Amen

(Pastor J.-Ekkehard Wulf)


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